LET’S CALL IT… CURVY

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LET’S CALL IT … CURVY!

Plus-Size-Mode – ein Thema. viele Fragen: Wie relevant ist sie tatsächlich? Entspricht die Zurschaustellung von kurvigen Frauen dem Zeitgeist? Die Fragestellung bezüglich der richtigen oder vielmehr modischen Konfektionsgröße ist gerade in der heutigen Zeit eine dominierende, die durch die Präsentation von Plus-Size-Models auf Magazincovern oder in Modekampagnen untermauert wird . Fakt ist, beinahe die Hälfte der deutschen Bevölkerung bedient sich beim Modeeinkauf bereits im Plus-Size-Segment. Ist es also das neu gesteckte Ziel, die Bevölkerung durch Mode realistisch abzubilden, anstatt Models mit Konfektionsgröße 34 und kleiner in den Fokus zu rücken? Ist Plus-Size-Mode gar die Zukunft? Wir sprachen mit Stephan Sonn, Messechef der Berliner Orderplattform curvy, über die Problematik des Segments innerhalb der Branche, über Chancen und über mögliche Fauxpas.

stsephan_sonnInterview: Susanne Kulessa

 

Herr Sonn, die Messe findet in der kommenden Ordersaison in Berlin an einer neuen Location statt, der Großen Orangerie im Schloss Charlottenburg. Das ist nicht der erste Umzug. Warum dieser weitere?

 

In der Tat, Messe schon oft umgezogen. Das liegt einerseits daran, dass w1r stetig wachsen und die Locations anpassen müssen, zum anderen daran, dass wir uns eher als Mode-Evenl verstehen. Genauso flexibel und vielseitig wie die Mode isl, so sind wir es und inszenieren uns gern neu. Die curvy verfügt aufgrund ihrer Größe über die Fähigkeit, sich kurzfristig an kontemporäre Begebenheiten und Trendströmungen anzupassen, ohne sich vollkommen zu verändern.

 

Wie würden Sie Berlin als Modestandort bewerten?

Für Berlin sehe ich keinerlei Probleme, denn es gibt schlichtweg keine Alternative. Durch ausländische Aussteller erfahren wir, dass Deutschland, und gerade Berlin, momentan ein sehr wichtiger Markt ist, gerade weil andere europäische Länder sehr mit der wir wirtschaftlichen Situation im Einzelhandel zu kämpfen haben. Natürlich schließe ich da Deutschland hier nicht aus, jedoch scheinen unsere Probleme im Vergleich zu denen anderer Länder verhaltnismäßig gering zu sein.

 

Welche Relevanz wird der curvy in Berlin zugesprochen?

Wir konnten in der vergangenen Saison mehr als 6000 Besucher verzeichnen, darunter Einkäufer aus 25 Landern. Das beweist, dass Curvy-Fashion – und somit auch unsere Messe – relevant ist. Es ist nun einmal das einzige Segment, das gegenwärtig Wachstum verzeichnet. Deutlich wird dies auch bei vielen Herstellern, die ursprünglich ausschließlich Mode im “Normalgrößenbereich” produziert haben und nun ebenfalls Anschluss- und Curvy Fashion herstellen …

 

… da die Nachfrage steigt.

Exakt. Dieses Segment wird immer wichtiger werden. Der Endverbraucher möchte nicht, nur weil er eine größere Konfektionsgröße besitzt, im Spezialgeschäft einkaufen. Das deklariert ihn und die Mode ja geradezu zu einem Sonderfall. Curvy-Fashion-Käufer möchten in dem selben Geschäft einkaufen, in dem auch konventionelle Mode verkauft wird. Deswegen wird es auch für die großen Kaufhäuser immer wichtiger werden. Anschlussgrößen, beziehungsweise Curvy-Fashion auf die Fläche zu bringen.

 

Trotz den von Ihnen berichteten positiven Entwicklungen ist CurvyFashion noch immer negativ belastet. Woran, glauben Sie, liegt das?

Das liegt einfach daran, dass die Curvy-Fashion lange Zeit unmodisch war. in der Vergangenheit gab es sehr wenige Hersteller, die modische Kleidung für kurvige Frauen herstellten. Viele sahen Curvy-Fashion als Verhüllungsmaßnahme an, was ebenfalls das negative Image begünstigt hat. Mittlerweile hat es sich zwar deutlich gebessert, bedarf jedoch noch immer einiger Optimierung, um langfristig die Imageprobleme aus der Vergangenheit zu beseitigen.

 

Ein weiteres Problem: Oftmals erweist sich die Kommunikation über das Segment als schwierig. Wie, glauben Sie, kann man diesem entgegenwirken?

Man muss das Segment als das normalste der Welt kommunizieren, nicht als Sonderfall. Die Einteilung von normaler und größerer Mode ist nicht zeitgemäß, denn was ist denn heute noch normal?

Es gibt nun einmal eine Konfektionsgröße 36, aber eben auch eine 52. Ich finde den Begriff curvy in diesem Zusammenhang sehr passend, denn sowohl eine Frau mit Konfektionsgröße 38 als mit einer 52 kann curvy sein. Der Bergriff ist demnach positiv belegt.

 

Weniger positiv belegt ist hingegen der Status von Frauen und Männern, die innerhalb der Gesellschaft als übergewichtig betrachtet werden.

Die Akzeptanz ist leider noch nicht so groß, wie sie eigentlich sein sollte. Das liegt, glaube ich, einfach an unserer Zeit: Schlanke Frauen werden als sportlich, agil, gesund und erfolgreich angesehen.

Übergewichtige Frauen eher als träge, erfolglos und ohne Selbstbeherrschung. Ich bin allerdings der Überzeugung, dass sich das Schönheitsideal immens verändern wird. Denn Studien belegen, dass die Bevölkerung immer schwerer wird und irgendwann eine Größe 38 die Minderheit darstellt. Je mehr Frauen mit einer größeren Konfektionsgröße ästhetisch abgebildet werden, desto eher wird dieses Bild auch von der Gesellschaft akzeptiert und toleriert. Ich meine, Frau Merkel trägt ja auch keine Größe 36 und ist dennoch erfolgreich: das hat ja nichts mit der Figur zu tun!

 

Welche Kompetenzen in Bezug auf Passform, Schnitt und Form müssen Curvy-Labels aufweisen?

Fürwahr, Hersteller müssen in der Curvy-Fashion eine hohe Kompetenz aufweisen, da die Schnittform- und Passfarm-Techniken anspruchsvoller sind. Aber sie müssen beachten. dass nicht jeder Trend für jede Größe passend ist: Manche Teile stehen einer 48 besser als einer 36 –  und umgekehrt. Die aufzuweisende Kompetenz liegt darin, zu filtern. in welchem Größenbereich wem was steht.

 

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Sonn.